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In Deutschland wurde 1908 das erste öffentliche automatische Wählamt in Hildesheim in Betrieb genommen. Durch die immer größer werdende Verbreitung kamen auch neue technische Probleme auf. Telefonleitungen wurden über die Dächer der Stadt mittels Freileitungen verlegt, doch bei Zunahme der Leitungen war dies nicht mehr möglich. Man ging dazu über, Leitungen unterirdisch zu verlegen. Doch entstand in den oft kilometerlang parallel laufen Kabeln eine hohe Leitungskapazität, was die Reichweite einschränkte, ebenso die Dämpfung der Kabel. Dies löste Michael Pupin, indem Induktionsspulen in die Kabel eingesetzt wurden. Später ging man dann zu aktiven Verstärkern über, erst mit Elektronenröhren, dann mit Transistorschaltungen. In den Vermittlungsstellen liefen die Teilnehmerleitungen sternförmig zusammen. Man könnte nun jedem Teilnehmer einen Hebdrehwähler zuordnen und alle anderen Teilnehmer an dessen Kontaktfeld anschliessen. Durch Hintereinanderschaltung mehrerer Hebdrehwählern könnte man auch mehr als 100 Anschlüsse erreichen. Da aber nicht alle Teilnehmer gleichzeitig sprechen, würde der Großteil der Wähler unbenutzt dastehen. Es wurden also nur so viele Wähler installiert wie maximal Gespräche geführt werden. Diese heissen nun Leitungswähler (LW). Alle Teilnehmer sind nun am Kontaktfeld der Leitungswähler angeschlossen. Zusätlich erhält jeder Teilnehmer einen Vorwähler, an welche die LWs angeschlossen sind. Bei einem Netz von 100 Tln. hat also jeder Teilnehmer einen VW, an dessen Kontaktfeld die 10 LW angeschlossen. Hebt man nun den Hörer ab, sucht der VW einen freien LW, und der Teilnehmer kann mit der Wahl beginnen. Durch die ständig zunehmende Anzahl von Teilnehmern reichten bald die 100 Anschlüsse des Hebdrehwählers nicht mehr aus. Es muss nun also ein weiterer Wähler hinzugefügt werden. Ein Netz mit nun z.B. 1000 Teilnehmern erfordert 3-stellige Telfonnummern. Man teilt nun die 1000 Teilnehmer in 10 Gruppen zu je 100 ein. Zwischen Leitungswähler und Vorwähler wird ein Gruppenwähler (GW) geschaltet. Mit der ersten Ziffer wählt man also die Gruppe, mit den nächsten beiden dann den Teilnehmern. Dieses Prinzip lässt sich auch auf Netze mit z.B 100000 Telefonen anwenden, es werden einfach weitere GWs dazwischengeschaltet.
Die nächste Entwicklungsstufe führt zum Selbstwählferndienst. Jeder Ort hat eine eigene Kennzahl. Mit der Ziffer 0 erreicht man beim ersten Gruppenwähler das nationale Fernwahlnetz. Bei der nächsten Ziffer wird man mit der entprechendenden Zentralvermittlungsstelle (ZVStW) . Bei der dann folgenden mit den Hauptvermittlungsstellen, die sternförmig an die ZVStW angeschlossen sind. So geht es weiter über die Knotenvermittlungsstellen, bis hin zu den Endvermittlungsstellen, die das gewünschte Ortsnetz darstellen. Nachteil dieses Systems: Jeder Anruf, selbst wenn er nur zum benachbarten Ortsnetz führt, läuft über die meist weit entfernten Zentralvermittlungsstellen. Begnetet wurde diesem Problem, indem eine Leitungssteuerung eingeführt wurde, die auch Querverbindungen zulässt. Nur wenn alle Querleitungen zwischen zwei KVStW belegt sind, wird auf die nächsthöhere Ebene geschaltet. Diese Querleitungen bestehen allerdings nur dort, wo das Gesprächsaufkommen dies rechtfertigt. Außerdem müssen im Fernverkehr zusätzliche Verstärker eingesetzt werden, die die Leitungsdämpfung ausgleichen, da die Verstärkung des Mikrofons nicht für eine ausreichende Lautstärke bei der Gegenstelle ausreicht. Im Teilnehmeranschlussbereich gibt es hauptsächlich symmetrische Kupferkabel mit Doppeladern je Anschluss. Im regionalen bzw. überregionalen Netz kommen Richtfunkverbindungen und Koaxialkabel und seit 1983 auch Glasfaserkabel zum Einsatz. Moderne WahlverfahrenBis jetzt sind wir immer noch von Telefonen mit Wählscheibe ausgegangen. Diese wurden bekanntlich durch die Tastentelefon ersetzt, die anstatt der Wählscheibe eine Zehnertastatur besaßen. Dennoch wurde immer noch das alte Impulswahlverfahren (IWV) verwendet. Ein Tastendruck erzeugte immer noch die der Ziffer entsprechende Anzahl von Impulsen. Neu hinzu kam noch die Wahlwiederholungstaste und die Möglichkeit, Nummern zu speichern. Erst mit Umstellung der Fernämter auf digitale Technik, konnte ein neues Wahlverfahren verwendet werden, das Mehrfrequenzwahlverfahren (MFV, englisch DTMF). Dabei wird bei Tastendruck jeweils zwei unterschiedliche Signalfrequenzen ausgesendet. Und zwar ist jeder Zeile und Spalte des Zehnerblocks eine Frequenz zugeteilt. Dieses Wahlverfahren hat den erheblich Vorteil, dass es viel schneller ist als das IWV. Es wird auch benutzt zur Interaktion mit Sprachcomputerdiensten (Mailboxabfrage, Telefonbanking). |
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